Sommer, meiner

In meiner Küche finde ich Maden
die sich voll gefressen haben
mit Essensresten
Auf dem Weg zu meinen Füßen
bewegen sich die Nacktschnecken
in einer Zeit, die mir oft fern ist
und manchmal ganz nah
Die Sonne verbrennt meine Haut
und mein Gesicht wird zu einer Glühbirne

Der Regen kitzelt mich
lässt mein Herz ruhig werden
in eine Stille kommen
die nur das Wasser kennt

Ich laufe, spaziere, denke, fühle, beobachte
Erfahre in einer Intensität
von der nur ich weiß
Ich stecke in meiner Haut
Mein Erdenkostüm habe ich mir selbst gewählt
Wie schön es ist
Doch den Glanz kann ich nicht immer sehen
Verstecke ihn in Mustern
Die ich aus der Kindheit trage

Ich bin der Punkt im Universum
den ich am besten kenne
Das Universum in einem Punkt
Wenn ich einen weiteren Punkt finde
können wir eine Linie bilden
Und dann gibt’s die Punkte
mit denen ich zu einem größeren Punkt werde
oder zu vielen geometrischen Formen
die ich ab und an meine zu verstehen

Unter den großen Blättern einer Urwaldpflanze
bin ich das Kind, das nie aufgehört hat
zu staunen und neugierig zu sein
Dort unter den Blättern kann ich die sein
die ich schon immer gewesen bin
Meine Augen zeigen mir die Magie dieser Welt
bunt und wahrhaftig

Im Rahmen des Dachfensters meines alten Zu Hauses
haben sich Wespen ein Nest gebaut
und meine Gedanken kreisen sich
um das, was sein wird, kommen mag
und noch nicht da ist
Wenn ich das festhalte, was mir lieb ist
ist es bald wieder weg
Wenn ich es nicht festhalte
ist es genauso schnell weg
Wenn ich lerne, es zu spüren und zu genießen
und die Schönheit in allem zu sehen
dann ist das Gehen lassen
ein ganz natürlicher Teil meines Lebens
Ein Vorgang, der immer und immer wieder auftaucht
Genauso wie das Entstehen von Neuem
und die Vorfreude darauf
Ich lade ein und lasse sein

In dem ständigen Kommen und Gehen
spüre ich die Gezeiten
Spüre ich den Winter im Sommer
Spüre den Zyklus in mir
Spüre die, die vor mir waren und
die, die nach mir sind

Alina Walter, Juli 2024