Menschen sind Gefäße
Meine Mutter, meine Großmutter, die Tante
die die davor waren und die die schon lange nicht mehr sind
Mein Vater, mein Großvater, der Onkel
Die den Krieg durchlebt haben und die die im Krieg gestorben sind
Die die sich von Brennnesselsuppe ernährt haben und die die Kartoffeln vom Feld gestohlen haben
Die die mir meinen Namen und meine Stimme gaben
Die deren Namen ich nicht einmal kenne und nicht weiß wie sie gerufen wurden
Meine Ur Ur Ur
Das Gefäß der Femininität trägt sich von Generation zu Generation, es gibt weiter
es verliert, es kommt hinzu
es verändert seine Form, den Klang, die Farbe
Was hat es zu erzählen, worüber schweigt es?
Wie klingen die Lieder
die Stille der Nacht und der Weckruf am morgen?
Welche Neuheiten trägt es mit sich und was will es zerstören?
Das Gefäß der Femininität will verstanden werden
Und es braucht doch Zeit um seine Symbole zu entziffern
Die Lust, das Rad der Freiheit, die neugierigen Blicke
Feuriger Neustart
Es brennt und entflammt alte Beschränkungen die sich in Asche auflösen
Das Gefäß der Femininität erfindet sich neu, es schöpft aus sich heraus eine vollkommen neue Gestalt
Die Gestalt der Kraft, des Anmuts und der bedingungslosen Annahme
In den Armen liegt das neue Kind
Eine neue Frucht
Sie strahlt, schillernd und hell
In ihrem Inneren hält sie behütend die dunkle Feuchtigkeit
Die sie immer wieder von Neuem auferstehen lässt
Alina Walter, Frühling 2023